Loading…
seasons-158601_1280

Depressionen gehören zum Leben – Teil 2

Wenn wir in eine Depression verfallen oder einfach nur ein paar depressive Tage haben lernen wir einen Teil von uns kennen, den wir lieber nicht sehen wollen. Einen unschönen, dunklen Teil. Ja sicher. Wir wollen uns am besten immer gut fühlen, wir wollen, dass die Sonne scheint und das jeden Tag, wir wollen glücklich sein und uns freuen.

Wie ich schon in Teil 1 beschrieben habe ist Leben aber nicht nur diese eine Seite. Leben ist auch Winter. Neben dem Frühling, wenn Dinge wachsen und werden gibt es auch den Herbst, den Zerfall, den Abschied von Altem und das Sterben.

Alle diese Bereiche gehören in unser menschliches Leben, ob wir das wollen oder nicht. Glück ist und kann also nicht abhängig sein von äußeren Faktoren, denn wir können niemals vorherbestimmen was wirklich morgen oder übermorgen ist. Ja vielleicht hast du einen Termin oder schon etwas ganz bestimmtes vor aber kannst du wirklich sagen wie es dir dann geht, wie du dich fühlen wirst, was wirklich passiert? Kannst du wirklich alles steuern?

Eine Sichtweise könnte jetzt sein „oh nein, das ist ja schrecklich, ich kann die Dinge nicht kontrollieren“. Eine andere könnte sein, „Ich nehme es so wie es kommt und mache immer das Beste daraus.“ Zwei Sichtweisen mit völlig unterschiedlichem Ausgang, die ein völlig unterschiedliches Leben bestimmen können. Entscheidend ist nicht was im Außen passiert. Entscheidend ist unsere innere Haltung demgegenüber.

Das Problem der Depression, welches sie erst Recht intensiviert und verschleppt, ist eben diese Einstellung. Der Depressive fühlst sich „erdrückt“, „niedergedrückt“ (lat. deprimere = niederdrücken) und kann dem Druck nicht mehr Stand halten. Depression steht eng verwand mit der Aggression. In Amerika spricht man von der Crazy Eight, dem verrückten Achterzyklus, den der Persönlichkeitstrainer Anthony Robbins verwendet. Von der Depression in die Aggression, von der Aggression in die Depression und so weiter. Wir werden aggressiv, weil es nicht so geht wie wir wollen, wir kämpfen, halten dagegen an, sehen aber keinen Ausweg und verfallen wieder in die Depression und gerne auch in das Selbstmitleid. Wir bäumen uns wieder auf, gehen in die Aggression, versuchen wieder zu kontrollieren, „die Dinge zu beherrschen“ und wieder klappt es nicht und wir fallen zurück in die Depression, usw. Depression hat also etwas damit zu tun, dass wir uns nicht mehr handlungsfähig fühlen, wir haben das Gefühl alles entgleist uns. Und genau hier können wir ansetzen. crazy-eight

Wenn wir diese Handlungsunfähigkeit akzeptieren, wenn wir verstehen, dass wir „die Dinge“ nicht kontrollieren können und wenn wir uns einfach mal bewusst fallen lassen, hineinfallen in das Tief, wovor wir uns so sehr fürchten und uns dem hingeben was nun mit uns geschehen möchte, dann haben wir auch die Chance wieder aus dem Teufelskreis auszusteigen. Wir können erkennen, wo wir gegen eine Wand laufen die uns nur eines sagt: Da geht es nicht (mehr) lang.. oder so geht es nicht mehr weiter. Schau mal hin. Gehst du wirklich noch den Weg der gut für dich ist?

Wenn nein, ändere was. Ändere was du tust oder das wie du es tust, ändere deine Herangehensweise. Wo glaubst du noch kämpfen zu müssen? Wo glaubst du noch etwas haben und leisten zu müssen, weil du sagst „ich habe nicht“? Warum siehst du nicht was du schon hast? Warum schenkst du mir nicht das Vertrauen, dass dir alles gegeben wird, immer zu jeder Zeit?

Ich möchte hier weniger eine Anleitung geben, wie wir nicht mehr depressiv sein können, sondern wie wir wieder lernen können die schönen wie unschönen Geschenke des Lebens, die Rhythmen, denen wir unabwendbar ausgesetzt sind, anzunehmen und wieder mit dem Leben zu gehen, anstatt dagegen. Wir Menschen sind Schöpfer ja: Wir erschaffen, wir gestalten, wir erfinden, wir können uns Fähigkeiten aneignen, wir können Leben nach unseren Vorstellungen und uns die Lebensumstände schaffen, in denen wir gerne leben möchten… Doch zugleich sind wir auch Opfer, immer und jeder Zeit einer höheren Macht unterworfen auf die wir keinen Einfluss haben.

Es gilt nicht diese Macht zu bekämpfen oder Mittel und Wege zu finden, um sie zu manipulieren. Es gilt Wege zu finden mit beiden Quellen zu arbeiten und zu leben. Wenn wir wieder lernen mit dem Leben zu gehen, mit dem Leben und seinen Strömungen zu fließen, in der völligen Annahme und Hingabe, dann können wir auch wieder auf die Bahn gelenkt werden, die für uns vorbestimmt ist, unseren Sinn und Zweck im Leben finden.

In der Praxis ist dies nicht immer sehr einfach. Aber wenn wir uns antrainieren JA statt NEIN zu dem zu sagen was IST, dann kann aus depressiven Tagen ein Geschenk werden, welches wir nachher, wenn uns der Fluss wieder in den Frühling treibt, auspacken und in Dankbarkeit zurückblicken können.

Ich unterscheide hier nicht zwischen einem Tag oder Jahren der Depression. Natürlich ist hier ein inhaltlich gewaltiger Unterschied für den Betroffenen, doch die Ausgangsebene und die Essenz bleiben die gleiche. Nehme es an. Nehme an was dir so schwer fällt anzunehmen. Lasse los von dem was du glaubst tun zu müssen. Pack allen Mut zusammen und vertraue dem Leben das dir zuflüstern, „Ich habe etwas Besseres mit dir vor. Du wirst alles verstehen. Bitte vertrau mir.“

Ich weiß wovon ich spreche. Ich habe nicht nur über Depression oder Sinnlosigkeit gelesen oder in Büchern und Vorträgen darüber studiert, sondern es am eigenen Leib und Leben erfahren und ich weiß wie es sich anfühlt. Keiner der nicht selbst einmal ein schweres Tief erlebt hat wird es verstehen können und das muss dieser Mensch auch nicht.

Du darfst erkennen dass es nur in einer Hand liegt, an deiner Einstellung wie du dem begegnest was das Leben für dich bereithält. Je mehr du dich dagegen wehrst, desto langwieriger und quälender wird der Prozess. Je mehr du es annehmen kannst und dich dem voll hingibst, dich verkriechst, keinen sehen willst, was immer du dann eben tun willst und du vielleicht einfach mal die Welt und alles um dich „an deinem Ar***e lecken lässt“, desto leichter wird der Weg hindurch, desto schneller geht auch der Weg wieder nach draußen und desto früchtetragender wird auch der Sommer, dessen Nährboden der Winter bereitet.

Ich wünsche dir volles, ganzes Leben, mit all seinen Jahreszeiten und der intensiven Erfahrung darin zu stehen. Das ist Leben!

unterschrift-002

 

>>Hier geht`s zu Teil 1

 

2 thoughts on “Depressionen gehören zum Leben – Teil 2

Schreiben Sie einen Kommentar